15.10.2014 – 1 : 29 (die erste Bestrahlung)

Gestern war Dienstag, der 14. – vor ganz genau 9 Monaten war der 14. ebenfalls ein Dienstag. Der Tag, an dem alles anders wurde. Als wir dich im Alter von 9 Monaten zum OP brachten und nicht wußten, wie das Leben für dich und uns weitergehen wird…

Ein halbes Leben später beginnt nun die nächste Etappe im Kampf.

Kurz vor halb 9 betreten wir zu viert das HIT. Justus ist mit dabei, er soll sehen, wo du in den nächsten 6 Wochen fast jeden Tag sein wirst. Du bist der jüngste Patient und damit der erste auf dem Tagesplan. Von nun an wirst du jeden Morgen auf dein Frühstück verzichten müssen und nüchtern zur Bestrahlung antreten.
Nachdem ich mit dir bei der Anmeldung war, warten wir eine halbe Stunde. Justus tobt ausgelassen herum und du amüsierst dich prächtig über ihn.

Um 9 Uhr holt mich der Radiologe zum Gespräch, während Papa und Justus im Wartebereich bleiben und eine Zeitschrift lesen.
Er zeigt mir ein MRT-Bild deines Kopfes und erklärt mir anhand vieler bunter Linien, wie die Bestrahlung ablaufen wird. Entgegen früherer Aussagen und unserer Annahme wird nicht die OP-Höhle bestrahlt, sondern der gesamte Bereich, den der Tumor eingenommen hatte. Du wirst von beiden Seiten bestrahlt, hinter beiden Ohren wird der Strahl in deinen Kopf eindringen.
Insgesamt bekommst du eine Dosis von 54 Gy, pro Bestrahlung sind das 1,8 Gy.
Jede Sitzung dauert zweimal 3 Minuten. Mit Narkosevorbereitung und Aufwachphase kommen wir auf etwa eine bis anderthalb Stunden.

Nach dem Gespräch müssen wir nicht mehr lange auf die Anästhesisten warten, die uns abholen.
Ich bringe dich in den Behandlungsraum, wo die Narkose vorbereitet wird. Während du Propofol bekommst und allmählich müde wirst, halte ich dich im Arm und gebe dir mit der Atemmaske zusätzlichen Sauerstoff. Mit Hilfe des umstehenden Personals lege ich dich auf die Liege.
Die Maske steht schon parat und wird dir angelegt. Das dauert einige Minuten, doch dann passt alles. Der Anblick, wie du hilflos und narkotisiert mit der Maske auf der Liege liegst, schnürt mir das Herz zusammen.
Während der Bestrahlung gehe ich wieder zu Papa und Justus zurück. Später, wenn sich alles eingespielt hat, werde ich die ganze Zeit bei dir bleiben können.

Wir warten eine knappe halbe Stunde, dann rollen dich die Anästhesisten mit dem Bett zu uns. Geschafft! Du hast die erste Bestrahlung ohne Probleme hinter dich gebracht und liegst nun halbwach im Bettchen.
Zu viert dürfen wir im Aufwachraum bleiben, bis du wieder ganz fit bist.

Das wird nun unser Alltag für die nächsten Wochen sein.

nach der ersten Bestrahlung

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