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12.09.2018: zurück auf Start

Seit gestern sind wir wieder auf Station. Geplante Verlaufskontrolle. Ich mag diese Wortgruppe nicht. Da soll nichts verlaufen, da soll einfach nur „nichts“ sein!
Wir teilen uns ein Zimmer mit einem älteren Mädchen, dessen einzige Freuden der Fernseher und ihr Smartphone sind. Gleichzeitig. Ohne Pause. Vom Aufwachen am Morgen bis zur Nacht. Immerhin kann ich sie dazu bewegen, den Fernseher wenigstens am Abend auszustellen, als du müde einschlafen willst…
Die Nacht ist ein ständiges Kommen und Gehen, es ist mehr los als tagsüber. Es vergeht keine Stunde, in der nicht die Tür aufgeht und jemand zu unserer Bettnachbarin geht. Ich bin froh, dass du dich von dem Trubel nicht stören lässt und seelenruhig weiterschläfst. Nur irgendwann mitten in der Nacht, als die Nachtschwester deinen Blutdruck misst, äußerst du deinen Unmut. Ich bin genervt. Blutdruck messen? Jetzt? Wozu? Warum macht sie das? Sie schüttelt entschuldigend den Kopf und meint, sie könne die Anordnung auch nicht verstehen, aber sie müsse es nun mal tun, es sei so festgelegt.  12.09.2018: zurück auf Start weiterlesen

08.12.2017 – Heimaturlaub

Der Tag beginnt mit dem Klingeln meines Handys. Dein Papa weckt mich mit dem Anruf, du lässt dich nicht stören und schläfst seelenruhig neben mir weiter. Gerade als ich den Anruf annehme, kommt die Schwester ins Zimmer und verkündet, dass du als nächster für die Blutabnahme dran bist. Ich muss mich erst einmal sortieren, ich bin noch gar nicht richtig wach. Wie spät ist es eigentlich? Meine Uhr zeigt kurz nach halb acht – verschlafen! Ich springe aus dem Bett und mache mich in Windeseile tagfertig.

Du bist kaum wach zu bekommen, schläfst noch so tief, dass meine Stimme nicht bis zu dir durchdringt. Du reckst dich unter meinen Händen in alle Richtungen und allmählich weicht der Schlaf von dir. Wie schön, dich so fröhlich zu sehen! Wir sind gerade mit dem Umziehen deiner Sachen fertig, als wir beim Verlassen des Bades von der Schwester ins Behandlungszimmer gerufen werden.

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22.08.2014 – Block geschafft, ab nach Hause

Vorgestern, nach dem Ende der Chemo, hast du völlig durchgehangen. Dir ging es nicht gut und dein Blutdruck hat mit 128/35 total gesponnen.

Immerhin hast du in den letzten Tagen gut gepullert, so dass der MTX-Spiegel im Blut ganz vorbildlich gesunken ist.

Du bekommst noch eine letzte Gabe Leucovorin, dann können wir endlich nach Hause fahren.
Im Gepäck habe ich drei MRT-Bilder, die sehr beeindruckend zeigen, was du in den letzten 7 Monaten geleistet hast. Das erste Bild vor der OP, das zweite Bild danach und das dritte Bild vom letzten MRT. Zu sehen ist auf dem dritten Bild nur noch eine kleine OP-Höhle und eine winzige klitzekleine Ansammlung von Kontrastmittel – es kann ein geschrumpfter Tumorrest sein, vielleicht aber auch nur gut durchblutetes Gewebe.
Wir wissen nun auch, wie der weitere Plan aussieht:
01.10.: drittes Kontroll-MRT
06.10.: Gespräch mit den Strahlentherapeuten in Heidelberg
07.10.: Anpassung der Masken
15.10.: Start der Strahlentherapie
Nicht mehr lange und du hast zumindest die Chemozyklen überstanden.
Und wenn auch der Rest nach Plan verläuft, bist du am 25.11. mit der Bestrahlung fertig.

Daheim merke ich, dass deine Stimme bereits ganz leicht blechern klingt. Es geht also schon los…

08.08.2014 – wenn Felsbrocken fallen

Am Morgen mache ich mich mit dir wieder auf den Weg in die Tagesklinik. Ich hoffe so sehr, dass wir heute das Ergebnis des MRTs erfahren werden.
Erst ein kurzer Abstecher ins Labor zum Fingerpieks, dann sind wir in der Tagesklinik. Noch kann ich geduldig auf die Ärztin warten und unterhalte mich derweil mit den anderen Eltern im Wartebereich.

Nach einer Weile kommt die Ärztin auf uns zu und teilt uns mit, dass deine Blutwerte gerade in den Keller rauschen. Deine Leukozyten sind bei 0,4 angelangt und außerdem brauchst du heute Erythrozyten, die gerade geordert wurden (bei deinen blassen Lippen heute morgen konnte ich schon damit rechnen).

Nun ist Zeit für die Fragen aller Fragen: was ist beim MRT herausgekommen? Die Ärztin nickt und sagt: „Das MRT sieht gut aus, der Tumor ist nicht weiter gewachsen. Es ist noch ein minimaler Rest erkennbar, er ist vielleicht sogar ein wenig geschrumpft.“
Mir fällt ein Riesenfelsbrocken vom Herzen, die Anspannung löst sich mit Tränen der Erleichterung. Ein gutes Ergebnis! Ein sehr gutes Ergebnis! Wir bekommen den Tumor klein, der Weg und alle Strapazen haben sich gelohnt! Ich drücke dich ganz fest, dich ahnungslosen und immer fröhlichen Kämpfer.
Ich schnappe mir das Telefon und rufe deinen Papa an, er soll die gute Nachricht auch gleich erfahren. Ein zweites Mal an diesem Morgen fallen Felsbrocken von einem Herzen.
Wir schöpfen daraus Kraft für den nächsten Weg, alles wird gut, du schaffst das. Wir schaffen das.

Das Erythrozytenkonzentrat trifft auch bald ein und die Bluttransfusion kann starten. 160ml rote Blutkörperchen sollen dein Blut aufpeppen.
Nach dreieinhalb Stunden Transfusion und zwei Stunden Überwachung fahren wir endlich nach Hause und feiern zu viert den kleinen Sieg.