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06.11.2014 – 15 : 15 (Halbzeit!)

Die nächsten zwei Wochen ziehen wir fast komplett durch. Nur an den beiden Sonntagen haben wir frei.

Jetzt beginnt es, für dich zunehmend anstrengend zu werden. Vor allem in Kombination mit der wöchentlichen Chemo.
Dazu kommen deine alterstypischen Entwicklungsschritte. Eine teils explosive Mischung.
Im Aufwachraum massakrierst du mich fast mit einem Beutel, weil ich keine Brezel dabei habe. Du bist ein Brezeljunkie! 06.11.2014 – 15 : 15 (Halbzeit!) weiterlesen

03.11.2014 – 12 : 18 (gleich, gleich, gleich gehts los)

Seit gestern ist dein Lippenbändchen Geschichte, deine dicke Lippe trägst du mit Fassung. Du bist immer so eifrig und willst mir bei allen Dingen helfen. Doch eine volle Glasflasche, Fliesenboden und der Kühlschrank in Kopfnähe sind keine gute Kombination. Ich bin heilfroh, dass du dich inmitten der Scherben nicht auch noch geschnitten hast.

Die vergangenen Tage und Wochen haben Spuren bei dir hinterlassen. Seit dem Wochenende bist du extrem schreckhaft geworden. Ein schnaubendes Pferd, eine zuschlagende Autotür, Schritte auf der Treppe, eine Fahrradklingel,… – beim kleinsten Geräusch brichst du weinend in Panik aus und klammerst dich an mir fest.
Es sind nicht nur die Geräusche. Ich muss auch aufpassen, wie ich etwas sage. Selbst wenn nur ein Schmetterling an uns vorüberfliegt und ich voller Freude „Oh schau mal, da!“ rufe, ist es bei dir schon vorbei. 03.11.2014 – 12 : 18 (gleich, gleich, gleich gehts los) weiterlesen

28.10.2014 – 10 : 30 (das erste Drittel geschafft)

Zum ersten Mal ist es für dich furchtbar schlimm, in den Bestrahlungsraum zu gehen. Normalerweise öffnest du die Tür dorthin selbst per Drücker, doch heute krallst du dich nur an meinem Hals fest. Als du auf der Liege sitzt und ich dich im Arm halte, weinst du bitterlich, klammerst dich panisch an mich und zitterst am ganzen Körper. Es ist so schlimm, du tust mir unendlich leid. Ich kann nichts tun, um es dir einfacher zu machen. Am liebsten hätte ich dich ganz schnell wieder mit hinaus genommen.
Nachdem du das Dormicum und das Propofol bekommst, wirst du ruhiger und ich lege dich erst aus meinen Armen ab, als du tief schläfst. 28.10.2014 – 10 : 30 (das erste Drittel geschafft) weiterlesen

24.10.2014 – 8 : 22

Wir haben endlich einen Rhythmus gefunden. Du schläfst nach der Narkose noch eine Weile und bist meistens gegen halb/um 11 Uhr wach, das ist quasi gleichzeitig dein Mittagsschlaf. Danach gehen wir in unsere Wohnung, essen zu Mittag und verbringen den Rest des Tages draußen. Am Neckar, auf den Wiesen, auf Spielplätzen, … egal wo, Hauptsache draußen.
Am Abend bist du spätestens um 19 Uhr so müde, dass du nur noch ins Bett willst. Unsere Nächte sind relativ ruhig – es hat sich eingespielt, so darf es gern bleiben. 24.10.2014 – 8 : 22 weiterlesen

21.10.2014 – 5 : 25 (Woche 1 geschafft)

Die erste Woche der Strahlentherapie hast du überstanden. Das erste Sechstel ist geschafft und hat uns die gesamte Bandbreite aller Emotionen durchleben lassen.

Momentan kann ich ganz schlecht das Mitgefühl im Bestrahlungszentrum ertragen. Wenn ich all die anderen Menschen mit Tumoren sehe, die auf ihre eigene Bestrahlung warten und von dir völlig verzückt sind und dahinschmelzend etwas wie „Ach Gott, der arme kleine süße Knopf“ sagen, kann ich damit schlecht umgehen. Das sind alles wirklich nette Menschen mit einem schweren Schicksal, die einfach nur ehrliches Mitgefühl für einen anderen Menschen ausdrücken. Aber zur Zeit wäre mir gerade dort vor Ort nüchterne Sachlichkeit lieber… 21.10.2014 – 5 : 25 (Woche 1 geschafft) weiterlesen

15.10.2014 – 1 : 29 (die erste Bestrahlung)

Gestern war Dienstag, der 14. – vor ganz genau 9 Monaten war der 14. ebenfalls ein Dienstag. Der Tag, an dem alles anders wurde. Als wir dich im Alter von 9 Monaten zum OP brachten und nicht wußten, wie das Leben für dich und uns weitergehen wird…

Ein halbes Leben später beginnt nun die nächste Etappe im Kampf.

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