30.11.2017

Zum Mittag bin ich wieder in der Klinik, ich will dich zur Auswertung der Ergebnisse nicht dabei haben und so wird dich später dein Papa aus dem Kindergarten abholen.

Im SPZ sitze ich noch eine Weile im Wartebereich, das Personal ist noch in der Besprechung. Als sich die Besprechung auflöst, die Tür sich öffnet und alle wieder an die reguläre Arbeit gehen, läuft mir die Psychologin im Flur über den Weg. Wir begrüßen uns kurz mit Handschlag und sie lächelt mich an bevor sie weitergeht – doch dieses kleine Etwas in ihrem Blick lässt eine Alarmglocke in meinem Kopf schrillen. Ich kenne diesen Blick. Es ist genau der gleich wie im Februar letzten Jahres. Ich bin mir sicher, dass sich die Psychologin dessen überhaupt nicht bewusst ist. Aber ich bin jetzt vorgewarnt.

Dein Arzt nimmt mich mit in sein Büro und kommt direkt zur Sache: „Es gibt keine guten Nachrichten.“

Verdammt!

Im Rücken ist alles unauffällig, keine Veränderungen. Aber im Kopf gibt es einen neuen Tumor.

Verdammtverdammt!

„Der Tumor hat auch bereits eine gewisse Größe, so dass er unter Umständen Krampfanfälle verursachen kann.“

Verdammtverdammtverdammt!

Ich sitze mit dem Arzt eine Dreiviertelstunde im Zimmer. Wir schauen uns die Bilder an, besprechen die Möglichkeiten und das weitere Vorgehen. Wir vereinbaren, dass er bereits die Neurochirurgie um einen Termin für die OP bittet, dann sind wir vielleicht Weihnachten schon wieder daheim. Das Ding sitzt an einer offenbar gut zugänglichen Stelle, es macht bis jetzt keine Probleme – es ist besser, es kommt jetzt raus als später, wenn es vielleicht noch größer ist und auf Stellen drückt, auf die es lieber nicht drücken sollte.

Wir verabreden für den morgigen Tag ein Telefonat, das uns erste Anhaltspunkte für den zeitlichen Verlauf geben soll. Bis dahin steht vielleicht schon fest, wann wir mit der OP rechnen können.

Als ich die Tür hinter mir schließe, schießen mir die Tränen in die Augen. Nicht schon wieder! Das darf nicht sein! Es ist wie Pingpong. Kopf – Rücken – Kopf. Wie lange soll das noch so weiter gehen? Langsam reicht es. Du hast doch schon genug mitgemacht und durchgestanden!

Ich höre noch die Worte deines Pflegers auf der ITS vor fast vier Jahren (vier Jahre? Schlagen wir uns schon vier Jahre damit herum?): Jeder bekommt genau das Päckchen, das er gerade noch tragen kann. Wer, verdammt noch mal, ist der Meinung, dass wir noch nicht genug getragen haben? Es ist schon lange genug! Empfand ich die Worte damals noch als tröstlich, sind sie heute wie ein Hohn…

 

 

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