20.01.2014 – Brudertherapie

Unsere Nacht ging etwa von um zwei bis um sieben. Diese fünf Stunden haben wir beide gebraucht, sie taten gut.

Vor genau einer Woche hast du morgens zum letzten Mal gelacht. Und heute morgen hab ich ein ganz zaghaftes miniklitzekleines Lächeln von dir bekommen.
Die ganzen letzten Tage dachten wir, du hättest vielleicht eine schwache Gesichtslähmung linksseitig, doch die linke Seite macht ziemlich gut mit. Jetzt fällt mir auf, dass auf der rechten Seite kaum Mimik ist. Puste ich dir leicht ins Gesicht, zwinkert nur dein linkes Auge. Beim Weinen oder Lächeln verzieht sich nur dein linker Mundwinkel.
Wir beobachten es weiter, es gibt sich bestimmt noch.

Die Neurochirurgin kommt zum Verbandswechsel zu dir. Die Wunde ist top und übermorgen sehen wir die Chirurgin zum Fädenziehen wieder.
Die leichte Lähmung rechtsseitig bestätigt sie mir und meint, die Chancen auf Besserung stehen fifty-fifty.
Da sich dein rechtes Auge nachts nicht schließt, muss ich dir ein Gel als Schutz vor Austrocknung und Entzündung ins Auge machen.

Ab morgen startet eine leichte Physiotherapie, außerdem wird ein Rundumschlag mit Augenarzt, HNO und Logopäde gemacht.

Der Medikamentenentzug ist nahezu überstanden. Kein Zittern und auch kein Krampfen mehr. Das abschwellende Mittel wird morgen abgesetzt, die Flüssigkeitsinfusion auch. Nur das Metoprolol gegen den Bluthochdruck bleibt vorerst. Und bei Bedarf bekommst du ein Schmerzmittel.

Ich habe mein Klappbett so gesichert, dass die Seite zu den bodentiefen Fenstern mit unserem Stillkissen gesichert ist und du dort liegen und hinausschauen kannst. Von dort aus beobachtest du nun ganz interessiert die Krankenwagen, die mit Blaulicht aufs Klinikgelände fahren.

Endlich ist Nachmittag und endlich kommen Papa und Justus zu Besuch. Es ist eine Woche her, dass ihr Brüder euch zuletzt gesehen habt. Justus kommt vorsichtig ins Zimmer herein und kaum dass du ihn entdeckst, fängst du lauthals zu lachen an. Ein Mundwinkel geht nach oben und du jauchzt vor Freude.
Papa und mir stehen die Tränen in den Augen. Du hast ihn sofort erkannt, du erinnerst dich!
Justus desinzifiert sich als erstes extra gründlich die Hände, damit er dich ordentlich knuddeln kann. Dann inspiziert er dich von oben bis unten und versteckt das vom Papa mitgebrachte Spielzeug, denn „Konrad soll mit mir spielen!“ Ach, was habt ihr Beiden euch vermisst!
Beim Inspizieren fällt deinem Bruder gleich der rotleuchtende Sensor an deinem Fuß auf und er ruft „Hey, der leuchtet ja! Der sieht ja aus wie ein Gespenst!“
Und damit auch du saubere Hände hast, ordert er ein Taschentuch von Papa, denn „damit will ich seine Hände desinfektionieren“.

Das erste Lächeln post OP

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